Über meine Erfahrungen in der Beratung von Destinationen, Kongress- und Tagungshäusern und Orten für gute Begegnungen.
- Urs Treuthardt
- 26. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Nov. 2025

Zugegeben: Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es besonders schlau war, mich genau in einer Zeit selbständig zu machen, in der sich gefühlt alles verändert. Eine Zeit der Transformation, des Umdenkens und der Frage, was Wachstum eigentlich mit uns Menschen macht. Aber gut. Ich denke ja bekanntlich immer nach vorne und schließlich gehört den Mutigen die Welt. Und Freude macht mir diese Arbeit jeden Tag.
Auch, weil ich inzwischen mit Destinationen, Städten, Regionen, Kongress und -Tagungshäusern arbeiten darf, die mitten in diesen Umbrüchen stehen. In einem Umfeld, in dem Budgets schrumpfen, Kommunen verschuldet sind und ein solider Cashflow wieder zum Maß aller Dinge wird. Genau hier wird die Arbeit spannend. Hier können wir endlich den unnötigen Ballast weglassen und uns auf das Wesentliche konzentrieren:
💪klare Prioritäten, effiziente Prozesse und echte Führung.
Vor diesem Hintergrund habe ich vier zentrale Learnings aus meiner bisherigen Tätigkeit als Berater zusammengefasst. Nicht abschließend, nicht allwissend – aber hoffnungsvoll, erprobt und mit einem klaren Blick darauf, was Destinationen, Tagungs- und Kongresshäuser und Orte für gute Begegnungen heute brauchen.
Back to basics – das unterschätzte Fundament
Wenn wir Kraft für Neues wollen, müssen wir zunächst das Fundament stabilisieren. Im Business-Meeting-Kontext heißt das:
☝️Bestandskunden verdienen wieder mehr Aufmerksamkeit.
Es geht nicht darum, jeden Rabattwunsch zu erfüllen. Es geht darum, Formate inhaltlich und kulturell am Ort zu verankern. So entsteht Bindung. Und Bindung verhindert, dass wertschöpfungsreiche Veranstaltungen einfach weiterziehen – was schneller passiert, als uns lieb ist.
Was es dafür braucht, ist eine saubere, gut gepflegte Kundendatenbank. Mit echten Informationen: Bedürfnissen, Absagegründen, Feedbacks, strategischer Ausrichtung der Kunden etc.. Dieses Wissen ist viel zu oft an einzelne Personen gebunden. Und wenn diese gehen, geht das Know-how gleich mit.
Gary Vaynerchuk würde sagen:
Get into the dirt!
Genau dort entscheidet sich langfristiger Erfolg. Nicht in einem neuen Marketing-Claim. Nicht auf einer Messe. Nicht im Strategiepapier. Sondern im Gespräch, im Zuhören, im täglichen Dranbleiben.
Der USP liegt nie im Gebäude – sondern im thematischen Kern des Ortes
Es gibt unzählige Jazz-Festivals. Warum aber das Montreux Jazz Festival weltberühmt wurde, hat wenig mit der Infrastruktur zu tun. Es hat mit dem Begründer Claude Nobs ✝️ zu tun. Seiner Haltung. Seiner Gastfreundschaft. Seinem künstlerischen Verständnis. Deswegen kamen und kommen die Weltstars an den Genfersee.
Menschen reisen nicht wegen Beton. Sie reisen wegen Bedeutung.
Neue Infrastrukturen – egal wie teuer – bringen nichts, wenn sie nicht thematisch und kulturell aufgeladen werden. Jede Stadt, jede Destination, jede Region verfügt über solche Besonderheiten oder Menschen.
Nur: Man findet sie nicht im Markenhandbuch, sondern in der Wissenschaft, der Kultur, der Wirtschaft – bei jenen, die etwas beitragen wollen.
✅Dort entsteht Identität.
✅Dort entsteht Relevanz.
✅Dort entfalten Meetings, Kongresse und Tagungen ihren wirklichen Mehrwert.
Darum sollte es im ureigenen Interesse jeder DMO, jedem Convention Bureau, jeder Standort- und Wirtschaftsförderung sein, gemeinsam auf jene Cluster zu setzen, die dem Standort Profil geben und echte Wertschöpfung erzeugen.
Es braucht dafür kein zusätzliches Budget, sondern ein gemeinsames Commitment in den bestehenden Strukturen.
Das Ziel ist nicht, einen neuen Mini-Kuchen zu backen. Das Ziel ist, das bestehende Stück sinnvoller aufzuteilen.
Besser entscheiden – durch echtes Verstehen
Wir können keine Lösungen finden, wenn wir das Problem nicht wirklich verstehen. Echtes Verstehen gelingt nur im Dialog. Durch den Austausch außerhalb der eigenen Bubble. Durch das Zulassen anderer Perspektiven, durch gemeinsames Analysieren von Daten und Fakten. Nur so entstehen Optionen. Jene Optionen die wir so dringend für bessere Entscheidungen brauchen. Denn bessere Entscheidungen führen zu besserem Handeln.
Das reine Reduzieren von Kosten ist keine Lösung. Die wahren Fragen liegen tiefer:
💡Warum finden wir keine Mitarbeitenden mehr?
💡Warum sinkt die Qualität unseres Produktes?
💡Warum verändert sich das Konsumverhalten?
💡Warum passen unsere Angebote nicht mehr zum Markt?
Es geht nicht darum, das eigene Produkt durchzuboxen. Es geht darum, es an den Markt anschlussfähig zu machen.
Dieser Weg ist anspruchsvoller, verlangt neue Rollen und flexiblere Strukturen. Aber es wird nur so gehen.
Nicht das WIE entscheidet – sondern das WER
Viele Entscheidungsträger wissen, wohin sie möchten. Und im Grundsatz teilen wir alle dasselbe Ziel einer prosperierende, nachhaltige Entwicklung. Einer Entwicklung, auf die auch nachfolgende Generationen aufbauen können.
Das WIE ist ebenfalls oft klar – oder lässt sich klären. Ansonsten nochmals Punkt 1. bis 3. lesen.
Am Ende aber entscheidet das WER.
🤵Wer pflegt das Netzwerk zwischen Standortagentur, Wirtschaft, Wissenschaft, DMO, Convention Bureau und Land/Kanton?
🤵Wer heißt die Gäste willkommen, sorgt für eine gute Atmosphäre, funktionierende Technik und eine professionelle Abwicklung?
🤵Wer beantwortet Anfragen, berät, begleitet, löst Probleme und denkt mit?
🤵Wer übernimmt Verantwortung?
Ein Gebäude kann man ersetzen. Menschliche Beziehungen aber nicht. Und alles, was wir in dieser Branche tun, basiert letztlich auf Beziehung.
Abschluss: die wohl zukunftsträchtigste Branche überhaupt
Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir in einer der wohl zukunftsträchtigsten Branchen überhaupt arbeiten dürfen. In einer Branche, in der die Verbindung zu Menschen, Empathie und Gastgeberschaft wieder einen echten Beitrag leisten – und als verbindendes Element wirken können.
Ganz nach dem Ökonomen Andrew J. Scott, der in einer von McKinsey publizierten Analyse über die Rolle der KI und die Zukunft menschlicher Arbeit festhält:
As machines get better at being machines, humans have to get better at being more human.
In diesem Sinne freue ich mich über eure Kommentare, Anrufe oder – im besten Fall – ein gemeinsames Projekt.
🚀 Ich bin bereit.



Kommentare